Radsport Hall of Fame

Hall of fame - Der Radsport und seine Stars

Die Hall of Fame des Radsports: Namen mit Makel oder Pedalritter der Landstraße?

Fausto Coppi. Jacques Anquetil. Eddy Merckx. Sean Kelly. Greg LeMond. Miguel Indurain – nur sechs klangvolle Namen bekannter Radsportler aus sechs Radsportnationen. Und noch etwas anderes haben diese sechs Radsportler gemeinsam: Sie alle versammeln sich mit anderen Größen des Radsports in der „Hall of Fame“ des UCI, des Weltradsportverbandes Union Cycliste Internationale. Im Jahre 2002 begründet, nimmt das UCI seitdem verdiente Radsportler in die „Hall of Fame“ auf, die entweder aufgrund ihrer Persönlichkeit oder besonders heroischer Taten zum Ruhm des Radsports beigetragen haben.

Die Hall of Shame des Radsports

Namen wie Marco Pantani, Lance Armstrong, Bjarne Riis oder Jan Ullrich finden sich nicht in diesem erlauchten Kreis. Und das, obwohl der Italiener Marco Pantani – auch „Pirat“ genannt – noch immer den Geschwindigkeitsrekord nach L’Alpe d’Huez hält und aufgrund seiner aggressiven Fahrweise zu den beliebtesten Radsportlern gehörte; obwohl der Amerikaner Lance Armstrong nach überstandener Krebserkrankung sieben Mal die Tour de France gewann; obwohl Bjarne Riis als erster Däne und Jan Ullrich als erster Deutscher die Tour de France gewannen.

Doch gerade über den zuletzt genannten Namen hängt das Damokles-Schwert des Dopings. Die sieben Tour-Siege von Lance Armstrong zwischen 1999 und 2005 wurden vom UCI annulliert und wegen des damals grassierenden systematischen Dopings nicht neu vergeben. Der Sieg von Bjarne Riis im Jahre 1996 konnte wegen achtjähriger Verjährungsfrist nicht mehr aberkannt werden, obwohl der Däne das Doping gestanden hatte. Über dem Sieg von Jan Ullrich 1997 liegt zumindest ein dunkler Schatten des Verdachts.

Lance Armstrong  vor dem Start zur 2. Etappe der Down Unter Tour 2009 (Adelaide, Australia)

Lance Armstrong vor dem Start zur 2. Etappe der Down Unter Tour 2009 (Adelaide, Australia)

Doping und Radrennsport – eine untrennbare Verbindung?

Es mag überraschen, doch Doping ist kein modernes Problem im Spitzensport. Als etwa die Tour de France im Jahre 1903 als erstes Etappenrennen mit Fahrrädern zum ersten Mal ausgetragen wurde, durften die damaligen Pedalritter nur Fahrräder ohne Gangschaltung benutzen. Die Straßen bestanden oft aus Kopfsteinpflaster oder waren nur bessere Feldwege, Hochgebirgsetappen wurden über Viehwege bezwungen. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wird auch als „heroische Epoche“ der Tour de France bezeichnet, da einzelne Tagesetappen bis zu 400km lang sein konnten. Heutzutage ist die durchschnittliche Etappe gerade einmal etwa die Hälfte so lang.

Video: Eine der spektakulärsten und sagenumwogensten Jahre der „Tour de France“. Wer hier nichts mit Doping zu tuen hatte, bleibt wohl für immer offen…

 

Erst ab 1937 war die Verwendung von Gangschaltungen an den Fahrrädern erlaubt. Die Etappen wurden stetig verkürzt, und als nach dem Zweiten Weltkrieg die Tour de France ab 1947 wieder ausgetragen wurde, verbesserten sich nicht nur die Fahrräder, sondern auch der Radsportprofi an sich. Nährstoffreiche Riegel und isotonische Getränke gehören seit vielen Jahren zum professionellen Radsport dazu. Diese dienen jedoch der kurzfristigen Leistungssteigerung und enthalten Nährstoffkonzentrationen, die für den menschlichen Körper nicht schädlich sind. Doping dient der langfristigen Leistungssteigerung mit verbotenen Mitteln wie Amphetaminen oder dem besonders im Radsport (un)populären EPO, also dem Blutdoping zur Steigerung der Ausdauer.

Bereits 1924 publizierte der Journalist Albert Londres seine Erkenntnisse über Radsportler und deren Verwendung von Chloroform und Kokain. Die ersten Dopingtests fanden 1966 statt, doch nicht flächendeckend und offenbar nicht verbindlich. Immerhin weigerte sich etwa der fünfmalige Tour-Sieger Jacques Anquetil standhaft gegen derartige Untersuchungen. Allerdings hat er sich dahingehend geäußert, dass die Öffentlichkeit nicht glauben solle, Leistungen wie die von Radsportprofis bei längeren Rundfahrten seien ohne Doping möglich. Im Jahre 1998 schließlich begann die langsame Aufdeckung des flächendeckenden Dopings, von dem sich der Radsport noch immer nicht erholt hat.

Hall of fame - Der Radsport und seine Stars

Hall of fame – Der Radsport und seine Stars

Eine Zukunft des Radrennsports ohne Doping?

Jeder Radsportprofi leistet schier unmenschliches – gerade bei langen Radrundfahrten wie der Tour de France oder dem Giro d’Italia. Bei nur wenigen Ruhetagen sitzt er etwa drei Wochen lang etwa 3.000km im Sattel und schleppt sich bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp unter 40km/h bei Regen wie heißen Temperaturen gleichermaßen durch das Hochgebirge der Pyrenäen und der Alpen.

Der Profiradsport war stets prädestiniert für die großen Duelle zwischen dem ewigen Sieger Jacques Anquetil und dem ewigen Zweiten Raymond Poulidor, für die eleganten Fahrten eines Miguel Indurain, der auch bei anstrengenden Bergfahrten stets im Sattel blieb und dabei zu lächeln schien und für die großen Dramen, wenn ein mutiger Ausreißer kurz vor dem Etappenziel doch noch vom Feld eingeholt wird.

 

Bildquelle:

bigstock-ID-88820720-by-RazvanPhotography

bigstock-ID-5276116-yPMimages

Kommentare sind geschlossen.

Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com