Bahntrassen: Radeln wo einst Züge fuhren…

Alte Bahntrassen haben Ihre Vorzüge als Radwege
An die 450 Radwege auf ehemaligen Bahntrassen können mittlerweile befahren werden, bis zu 50 werden in den kommenden Jahren hinzukommen. Die Radwege sind unterschiedlich lang, so misst der Söhrebahn-Radweg bei Kassel kaum acht Kilometer, der Donau-Regen-Radweg in Bayern erstreckt sich auf fast 40 Kilometer Länge. Häufig sind Bahntrassen-Radwege miteinander verbunden, schließlich wurde Deutschland bis in die Sechzigerjahre hinein mit einem dichten Bahnnetz erschlossen.

Selbst kleine Orte konnten einen Bahnhof vorweisen, heute profitieren die Radler von diesen früheren Nebenstrecken. In der Regel sind die Wege gut ausgeschildert, Markierungen direkt auf den Wegen erleichtern die Orientierung.

Es geht nur sanft bergauf

Mehr als vier Prozent Steigung konnten die eher kleinen Bähnlein auf den heute stillgelegten Nebenstrecken nicht schaffen, schließlich mussten auch schwere Güterwagen transportiert werden. Steigungen von gut zwei Prozent waren die Regel – oder die Bahn verlief topfeben.
Die früheren Bahnstrecken laden somit zum Genussradeln ein. Man spürt kaum, dass es überhaupt bergauf geht, und aus der Puste kommt man dabei nicht. Deshalb sind diese Strecken sehr familienfreundlich und selbst für kleinere Kinder, die erste Radelerfahrungen sammeln, gut zu meistern.
Wo man nur allmählich und kaum merklich bergan fährt, fehlen auch rasende Abfahrten – selbst ungeübte Radfahrerinnen und Radfahrer haben auf den früheren Bahntrassen alles sicher im Griff, auch weil die Bahnen nur weit geschwungene Kurven fahren konnten.

Der Blick von oben

Bahntrassen wurden häufig auf Dämmen angelegt, sodass die umgewidmeten Wege in der Regel mit einer guten Aussicht in die Landschaft punkten können. Nicht zu vergessen die Perspektive von stattlichen Bahnbrücken herab, diese Ausblicke sind besonders bei Kindern beliebt.
Beim Radeln kann man sich ganz dem Schauen und Betrachten widmen; oft sind die Landschaften, die man radelnd durchstreift, nicht sonderlich spektakulär, sondern eher lieblich und ländlich.

Verpflegung, Rast und Übernachtung

Entlang der früheren Bahntrassen stößt man mittlerweile auf ein breites gastronomisches Angebot – von der Pommes-Bude bis hin zum noblen Restaurant. Die Gastronomie hat die Genussradler als gern gesehene Gäste entdeckt, man versucht, ihnen die strampelnde Reise so angenehm wie möglich zu machen.
Wer mehrtägige Touren plant, findet auch eine Fülle von fahrradfreundlichen Übernachtungsmöglichkeiten.
An vielen Stellen entlang der stillgelegten Bahntrassen kann man Fahrräder ausleihen, häufig verbunden mit einem Rückholservice zum Ausgangspunkt der Tour.

Tunnel und Brücken: Alte Bahntrassen haben Ihre Reize als neue Radwege...

Tunnel und Brücken: Alte Bahntrassen haben Ihre Reize als neue Radwege…

Von Schleswig-Holstein bis Bayern

Ob schnurgerade Trassen im flachen Norden durch eine dünnbesiedelte Landschaft, Strecken entlang einer industriell und städtisch geprägten Kulturlandschaft im Ruhrgebiet oder sanft bergauf und bergab führende Bahndämme in den idyllischen Voralpen – auf den ehemaligen Bahntrassen kann man nahezu sämtliche Landschaften Deutschlands kennenlernen. Natürlich nicht nur die Landschaften sind attraktiv, sondern auch die vielen kleinen Dörfer und Städtchen, für welche die Bahn früher von enormer Bedeutung war.

Asphalt, Split und Schotter

Weite Abschnitte der Radwege auf früheren Bahntrassen sind asphaltiert, häufig trifft man auch auf Passagen mit Feinsplitt, die sich problemlos befahren lassen, zur Not auch mit einem Rennrad.
Doch auch eher grober Schotter kann einem unter die Reifen kommen, kurz, nicht jeder Kilometer Bahn-Radweg befindet sich bereits in einem guten Zustand. Allerdings haben Länder und Gemeinden längst das touristische Potential der Bahn-Radwege erkannt, sodass sich die Qualität der Wege in Zukunft noch verbessern dürfte.

Hollandrad, Mountainbike oder Rennrad?

Selbst mit einem einfachen, stabilen Rad ohne jegliche Gangschaltung lassen sich die Strecken auf den ehemaligen Bahntrassen gut bewältigen. Man sollte sich allerdings eher für ein Rad mit robusten, nicht zu schmalen Reifen entscheiden, um auch auf gröberen Abschnitten sicher unterwegs zu sein. Grobstollige Mountainbike-Bereifung ist nicht nötig, von Rennrädern mit extrem schmalen Reifen ist eher abzuraten. Sowohl im Internet als auch in vielen Reiseführern kann man sich vorab über Verlauf und Beschaffenheit der Radwege informieren.

Bildquellen:
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